Kompass und Peilscheiben

Der Kompass ist ein Instrument zur Bestimmung einer fest vorgegebenen Richtung, z. B. Himmelsrichtung, Navigations-Kurs, Peilrichtung. Die älteste Ausführung ist die Kimme, die das Anpeilen des Polarsterns bei klarer Nacht erlaubt. Das klassische Gerät ist der Magnetkompass, der anhand des Erdmagnetfelds die Bestimmung der magnetischen Nordrichtung und daraus aller anderen Himmelsrichtungen erlaubt. Zusammen mit einer Peilscheibe oder einem Peilaufsatz lässt sich durch Messen von Horizontalwinkeln der Standort und die Lage des Schiffes durch Anpeilen von Landmarken oder anderen Schiffen bestimmen. Bei fester Peilung zu einem anderen Schiff liegt ein Kollisionskurs vor.

Wahrscheinlich haben die Chinesen den Kompass noch vor dem Jahr 1000 erfunden. Sie entdeckten das Magnetfeld der Erde. Später nutzten es die Seeleute, um sich auf dem Meer zurechtzufinden. Italienischen Seeleuten wird die eigentliche Erfindung des Kompasses zugeschrieben. Sie befestigten unter einer Magnetnadel eine >Windrose< und sollen den geografischen Richtungen die Namen der Winde* gegeben haben, die von dort kamen. Deswegen wird die scheibenförmige Skala bis heute Wind- oder Kompassrose genannt.

Der neu erfundene Kompass breitete sich schnell in Europa aus, und die Bezeichnungen Nord, Süd, Ost und West bürgerten sich allgemein ein.

Mit der Entwicklung der Schifffahrt entstanden unterschiedliche Kompasstypen. Zum Beispiel elektronische Kompasse auf Basis von Hall-Sensoren oder Fluxgate-Magnetometern; mit letzteren kann Betrag und Richtung des Erdmagnetfeldes auf ein 1/100.000 des Absolutwerts genau bestimmt werden. Ganz ohne Ausnutzung des Erdmagnetfeldes arbeiten Kreiselkompasse, die aufgrund ihrer Wirkungsweise die Richtung in Bezug auf die geografische Nord-Süd-Richtung und nicht relativ zur Lage der Magnetpole der Erde ermitteln. Ebenfalls ohne Magnetfeld kommen Sonnenkompasse aus.

Trotz der Existenz des GPS wird der Magnetkompass nach wie vor genutzt. GPS kann die Navigation mit Karte und Kompass sinnvoll ergänzen, jedoch niemals ersetzen. Neben der Abhängigkeit von Energieversorgung und Elektronik ist die Kurswinkelbestimmung mit einem Kompass viel schneller und genauer durchzuführen als mit einem GPS-Gerät. Darüber hinaus erzwingt ein Kompass die ständige Auseinandersetzung mit der realen Situation, während das GPS-Gerät leicht dazu verführt, sich blindlings auf die Satellitentechnik zu verlassen.

 

Kompassrose von 1607kompass

Neben der Gradeinteilung gibt es z. B. die Windrose (auch Kompassrose) zum Anzeigen der Himmelsrichtungen.windrose

* Im Mittelmeer tragen die vorherrschenden Winde eigene Namen: Tramontana (N), Greco (NO), Levante (O), Scirocco (SO), Ostro (S), Libeccio (SW), Ponente (W) und Maestro (NW).

 

 

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