Vitrine 69

Die “Monte”-Schiffe der Hamburg-Süd (1924 – 1945)

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg war der Dieselmotorantrieb auch für größere Fahrgastschiffe so zuverlässig, dass die Hamburg Süd eine Serie von insgesamt fünf Passagiermotorschiffen der „Monte“-Klasse in Dienst stellte. Alle wurden bei Blohm + Voss, Hamburg, gebaut. Ursprünglich sollten sie im Zwischendeck große Zahlen von spanischen Erntearbeitern nach Brasilien bringen. Durch die Veränderung der Einwanderungsbestim­mungen brach dieses Geschäft aber 1927 in sich zusammen. Bei der Hamburg Süd kam man auf die Idee, dieses Schiff nun auf Kurzkreuzfahrten in Europa einzusetzen. Mit seinen großen Passagierschiffen hatte die Reederei bereits vor dem Ersten Weltkrieg Erfahrungen in der Luxuskreuzfahrt gesammelt. Auf diesem Weg erfand die Hamburg Süd fast nebenbei die Massenkreuzfahrt. Die Reisen wurden zu sehr günstigen Konditionen angeboten und ermöglichten breiten Bevölkerungsschichten, bei mäßigem Komfort Auslandsreisen zu machen. Besonders beliebt waren etwa die Fahrten Hamburg–London. Später übernahm die nationalsozialistische Organisation „Kraft durch Freude“ die Schiffe in ihr Reiseprogramm. Alle Schiffe mussten zum Ende des Zweiten Weltkriegs abgeliefert werden bzw. waren versenkt worden. Die Reederei Hamburg Süd nahm seitdem keine Kreuzfahrten wieder ins Programm.

In der Vitrine sehen Sie eine größere Zahl von Porzellanstücken, wie sie vermutlich an Bord verwendet wurden (leider sind die Aufzeichnungen über das an Bord verwendete Porzellan nur sehr marginal, Fotos geben aber Hinweise). Das ausgestellte Besteck stammt von einem britischen Antikmarkt. Vermutlich wurde es auf dem britischen Truppentransporter „Empire Windrush“ (ex „Monte Rosa“) verwendet. Die Speisekarten waren sehr einfach gestaltet. Das Menüangebot war echte Hausmannskost. Besonders schön gestaltet waren die Deckblätter der kleinen Einzelprospekte. Sie sind heute ein beliebtes Sammelobjekt. Mützenbänder verteilte die Hamburg Süd gerne als Andenken.

Freundliche Leihgabe von:

Petra und Stefan Behn

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